Transzendente Qualität trifft transzendente Agilität

Prof. Dr. Jochen Ludewig hielt auf der TAV (Fachgruppe Test, Analyse und Verifikation von Software) Fachtagung im Jahre 2016 in Bremen mal einen Vortrag über Software-Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel.

Ich fand es sehr spannend in kurzen Ausflügen zu erfahren, dass eben die modelierte Qualität die unnatürlichere, aber eben die meßbare, kontrollierbare ist und die transzendente Qualität, nicht meßbar, aber dafür die ist, die uns begeistert. Er nahm das Beispiel der Schwarzwälderkirschtorte, die man nicht vermessen würde, sondern eben sagt, dass sie eben (oder eben nicht) ausgezeichnet war.

Wenn wir nun immer nur die meßbare Qualität nehmen, was verlieren wir dann?

Wir verlieren die unmittelbare Verbindung zur erlebten Qualität, damit auch den Blick auf denjenigen, der die Qualität erlebt (das Objektive verdrängt das – wichtigere – Subjektive.)

„Software Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel“ (2016)

Die Qualitätsprüfung, die wir benutzen, kann aber nur so gut sein, wie das unterliegende Modell und wird immer von dem natürlichen, was wir empfinden, (mehr oder weniger stark) abweichen.

Im agile Kontext wird die Meßbarkeit auch gerne vorne hin gestellt, also das Modell… Wie auch bei der Qualität…

Mit anderen Worten: Die modellierte Qualität bedarf stets der Kontrolle und Bestätigung durch die transzendente Qualität.

„Software Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel“ (2016)

Im agilen Kontext sehe ich dieselbe Herausforderung: Man muß sich im agilen Vorwärstkommen anhand von Kenngrößen auch bedenken, dass die Beteiligten „begeistert“ sein sollten, damit sie den Wandel mit tragen. Da spielen aber Kenngrößen keine Rolle, sondern das Empfinden und die Emotionen. Innerlich bewerten wir eben das Gefühl, ob man sich in der neuen Rolle und der gestellten Herausforderung wohlwollend gegenübersteht. Messen kann man das nicht, sondern die Schwarzwälder Kirschtorte muss schmecken, auch wenn es manchmal diverser Anläufe braucht.

„Agile Softwareentwicklung ist ein Vorgang, bei dem Projekte in Iterationen unterteilt werden. Das Ergebnis einer jeden Iteration wird beurteilt und dazu genutzt, den Zeitplan neu zu bewerten, Features werden nach ihrem Geschäftswert implementiert, damit die wichtigsten Dinge zuerst umgesetzt werden. Die Qualität sollte so hoch wie möglich sein. Der Zeitplan wird vornehmlich dadurch gemanaged, dass sich der Umfang des Projekts ändert.
Das ist agile Software Entwicklung.“

„Clean Agile, Die Essenz der agilen Softwareentwicklung“, Robert C. Martin „Uncle Bob“, 1. Auflage, 2020 S. 47

Der „Geschäftswert“ ist nicht immer in Geld auszudrücken, wenn es bspw. darum geht Kunden zu Fans zu machen1, denn dort kommt man über Emotionen. Natürlich ist das Endergebnis irgendwann meßbar (mehr treue, zahlende Kunden o.ä.), aber man muß manchmal auch „Umwege“ über nicht sofort meßbare Kennzahlen Wege gehen und diese sollten also nicht immer im Vordergrund stehen.

Mehr Ehrlichkeit (= Einsicht), Disziplin und Demut wären gut. Aber Disziplin bedeutet nicht, der Bürokratie zu dienen.

„Software Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel“ (2016)

Wenn also der reine Fokus auf die meßbare Qualität und meßbare Agilität gelenkt wird, glaube ich, verlieren wir die Verbindung zur erlebten [Lebens-] Qualität. Wir dienen dann der Bürokratie, weil jemand die Kennzahlen haben möchte.

Die Rückbesinnung auf ursprüngliche Formen (Qualität und Agilität) sollten wir am Softwareentwicklungsprozess beteiligten Menschen ab- und an mal mitgeben (Retrospektiven), denn das Produkt sollte nicht gut vermessen sein, sondern den Kunden und die am Erstellungsvorgang beteiligten Menschen begeistern…


1 Empfehlung: "Das Fan-Prinzip", Roman Becker, Gregor Daschmann, 2. Auflage, 2016

Strukturwandel knüppelhart und was man daraus lernen kann…

Es gibt immer Themen, die ich unbedingt lesen möchte, aber nie die Zeit finde. Dann, eines Tages, suche ich was und stolpere über das abgelegte Dokument und fresse es auf 🙂 So ist es mir mit dem Büchlein „Alte Schätze – frischer Wind, Visionen für Bremerhaven„, welches schon 2019 hier als PDF verlinkt wurde.

aus: „Alte Schätze – frischer Wind Visionen für Bremerhaven“, Arbeiterkammer Bremen, S.12 (Artikel: „Die Höhen und Tiefen des Strukturwandels in Bremerhaven“ Dr. Marion Salot)

Dr. Salot hat die Vorzüge und Hochzeiten der Seestadt…

Punkten konnte Bremerhaven aber auch mit seinem bunten Nachtleben. Die Stadt hatte eine höhere Kneipendichte als Hamburg und zudem als Hafenstandort keine Sperrstunde. Die „Alte Bürger“ und das Wally besaßen bis in die 1980er-Jahre hinein Kultstatus und nicht selten zog es auch Nachtschwärmer aus Bremen in die Seestadt, weil hier auf engstem Raum eine Bar nach der anderen wie an einer Perlenkette aufgereiht war.

Dr. Marion Salot

…und den Niedergang der Stadt so beschrieben, wie ich ihn als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener in Erinnerung habe. Die Bilder kamen mir sofort in den Kopf 🙂

Nun, die Stadt ist, wie anscheinend auch die Einwohner*innen, eine Kämpferin und, nach Fischerei- (1970-), Werften-, Streitkräfte-Abzugs- (1992) und [von Politiker/innen gemachte] Windenergie-Krise (2018/2019) immer noch da.

Seit Ende der 1990er-Jahre ist hier weit über eine Milliarde Euro in die Infra­ struktur geflossen, unter anderem in den Bau des CT IV.

Dr. Marion Salot

Die HHLA wird sich das CT, also DAS Vorzeigeobjekt der Seestadt (was rechtlich zur Stadt Bremen (!) gehört), unter den Nagel reißen und daraus ergeben sich 2021 ff. wieder Konsequenzen, die für „Fischtown“ böse kommen werden: „Schlicktown“ (Wilhelmshaven) hat einen besseren Tiefwasserhafen und „Hamburch“ wird sich nicht den Hafen abspennstig machen lassen…. der Verlierer ist, mal wieder, meine Heimat, mein Bremerhaven.

Als ich über die Hafenstraße wieder Richtung Bahnhof fahre, versuche ich mir die Stadt mit den Klubs und Bars der goldenen Zeit vorzustellen, Chicos Place und Wally, den Hamburger, der 24 Stunden geöffnet hatte. Und frage mich, warum damals die GIs als Bereicherung empfunden wurden, die heutigen Migranten aber so oft als Problem ange­ sehen werden. Was würde passieren, wenn die Einwanderer unserer Tage auch gutes Geld verdienen könnten? Vielleicht würden sie Klubs und Bars gründen und die Musik der Welt nach Lehe holen. Martin Lukassen würde hingehen, da bin ich sicher.

Ralf Lorenzen nach dem Interview mit Martin Lukassen „Wer einmal hier ist, lernt diese Stadt zu lieben“

Wenn ich so eine kleine Reise in meine Heimat und Vergangenheit per Buch mache, freue ich mich, dass ich die GI’s und auch die Fischindustrie (als Fachkraft für Lebensmitteltechnik) in „Fischtown“ hautnah erleben durfte. Besucher und andere Kulturen waren normal und man war neugierig auf die anderen (eingeladen zu türkischer Hochzeit, Geschichten von Irakern, Iranern und Syrern zur selben Zeit (!) am Band erzählt bekommen) und „Quatern“ mit den GI’s und echten amerianischen Kippen, Getränken und Geld (nix 10 Pf-Stück!) 🙂

Schön, wenn man mal was herauskramt, was man eigentlich nicht gesucht hat….

TACON20 – geschäftsgetriebene Testautomatisierung

Ich bin ja nicht so der Fan von virtuellen Meetings, da ich gerne mit Menschen zusammen bin und Smalltalks in der virtuellen Welt gehen zwar, aber eben nicht wie IRL.

Trotzdem freue ich mich an der TACON20 teilnehmen zu dürfen, denn man bekommt Einblicke mit was auch die Kolleg*innen zu kämpfen haben und fühlt sich nicht so alleine oder man bekommt sehr gute Anregungen, wie man an bestimmten Stellen weiter machen kann. Dieses Mal hat man mich gefragt, ob ich was beitragen kann und das habe ich gerne getan:

https://twitter.com/Softwareforen/status/1310912432152498177?s=20

Ich habe über geschäftsgetriebene Automatisierung gesprochen und auch eine Demo mit einem mir sehr bekannten Testwerkzeug gezeigt, die nochmals tiefer die Bedürfnisse der non-Coder*innen (also Fachabteilungen) berücksichtigt. Es geht mir um das Vorgehen und nicht um Tools und ich habe eben manchmal den Eindruck, wir wählen Tools aus und stricken dann unsere Prozesse darum.

Mache nicht aus jedem einen Coder!

Da wir in crossfunktionalen Teams arbeiten (werden), müssen wir eine gemeinsame Sprache finden, aber uns auch mit den Werkzeugen wohlfühlen, die wir tagtäglich einsetzen müssen. Superklasse ist, wenn das Tool beides bedienen kann.

Zusammen. Gemeinsam. Voneinander lernen.

Werkzeuge müssen zum Menschen passen und nicht umgekehrt!

S4: Es geht los!

Es ist wie HSV-Fan sein: Hohn und Spott und Sprüche „das wird nie was“ kennt auch ein S4-Aktivist seit mehr als einem Jahrzehnt.

Wir haben die Aufmerksamkeit erkämpft.

Wir haben die Finanzierung erstritten.

Wir haben einen Plan.

Wir fangen dann mal an!

Wie das Wirtschaftsministerium des Landes Schleswig-Holstein heute verkündet, starten wir nun mit den Bauarbeiten auf Hamburger Gebiet. Ja, die Nahverkehrslinie ist es wert gebaut zu werden und die, die uns immer belächelt haben: Freut Euch mit uns, denn die Pendlerinnen und Pendler im Hamburger Nordosten werden ihre Freude daran haben!

Digitalisierung aus der Stärke

Heiko (CIO) fasst mal sehr schön zusammen, warum SIGNAL IDUNA spannend anders ist. Warum Digitalisierung auch Sinn bei einem sehr erfolgreichen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit macht.

„Versicherung wird eine Tec-Company“ – „Wer wollen wir eigentlich sein?“ – „Wenn Du die Systeme vergißt, mit denen Du Dein Geld verdienst, gehen irgendwann die Lichter aus“ – … jo, habt Spaß!

Willst Du mich auf den ARM nehmen?

HEISE+ schrieb es so schön und dem möchte ich auch mal geschichtlich meinen Daumen hoch halten, ohne wesentlich mehr Inhalt abzusondern (es ist Sonntag 11:00h MESZ und >25 Grad Celsius, da kann man auf der Terasse froh sein, noch tippen zu können): Die ARM (Acorn Reduced Instruction Set Computer (RISC)) Maschine, einst Triebfeder für die Archimedes-Workstation, kehrt nun als Desktop-System auf den Mac zurück!

Kein Scheiß!? Nein: 1987 oder ’n Jahr später haben Kollege Peter und ich im Eidelstedter Bürgerhaus, anläßlich des CCC Treffens (siehe Datenschleuder Seite 10), den Kasten mal gesehen und er war deutlich geiler als alles was wir bisher unter unsere Finger bekommen hatten.

Ähnlich erging es mir nur noch als ich das erste Mal die NeXTstation erblickte, denn das Display PostScript stellt(e) 1987 alles in den Schatten was Auflösung und Klarheit sich mit bis dato in den Weg gestellt hatte. Heute findet man den Nachfolger in Quartz auf dem Mac – mit PDF im Gepäck.

Kein heißer Scheiß!

Also, bevor jetzt die Jüngeren unter uns meinen, dass das alles neuer, heißer Scheiß ist – Nope! Als SPARC-Liebhaber erfreut es einem natürlich, dass es nun doch wieder in eine andere Richtung geht: Rechenkerne können wenig, dafür deren Anhängsel, die spezialisiert Dinge abarbeiten, vor allem in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Eigentlich dacht ich in meiner IT-Naivität, dass das immer das bessere Modell wäre… Langsame Dinge nicht auf schnelle Dinge draufsatteln, da man sonst das Gesamtsystem verlangsamt…. hmmm…. Informatiker mögen mir meinen Irrglauben gerne mal auseinandernehmen.

Keine Apokalypse bei der Umstellung erwartet!

Nein, im Gegensatz zu der „anderen OS-Welt“, kennt sich Apple/NeXT mit Prozesserumbauten aus, denn auch die Abkehr vom Motorola 68xxxx (PowerPC) hin zum INTeL ging seinerzeit recht schmerzbefreit, wenn, ja wenn die Entwicklergemeinde denn ihre Programme durch den neuen Compiler jagt und dann sogenannte „universal binaries“ rausfallen lässt.

Das große Plus von macOS‘ Kernel (mach bzw. XNU) und dem Betriebssystem (UNIX®) ist eben die sehr modulare, kleinteilige Struktur und die Prozessorarchitektur folgt dem quasi nun wieder.

Rhapsody hatte „ungeliebtes“ x86 im Bauch – Big Sur „geliebtes“ ARM

Ich habe seinerzeit Rhapsody 1997 auf einem AMD (x86-basierte Architektur) getestet, da ich von der NeXT-Welt kam und den Zugang seinerzeit irgendwie bekam mit in die „Developer“-Testphase zu springen. Erst 2015, also viele Jahre später, wendete sich Steve Jobs von Motorola ab, da die Wärmeprobleme bei kleinen Maschinen einfach nicht besser werden wollten (ich hatte einen iMac G5 17″ und weiß wovon ich rede).

Während Apple kein Freund von INTeL war, heißt es, dass Advanced RISC Machines, Ltd. (so heißt Acorns ausgelagerte Chip-Schmiede seit 1989) und Apple sich mögen und Apple eines der wenigen Unternehmen ist, dass an den Kernel-Bestandteilen rumprökeln darf.

Windows ne… aber Sicherheit, Energie und iOS juchhe!

Während die BootCamp- und Virtualisierer-Hasis nun weinen (keine Sorge Parallels wird die Gelddruckmaschine nicht versiegen lassen!), so werden auf einmal iOS-/tvOS-Programme kompatibel zu macOS und damit wird die Lieblingsapp auf dem iPhone auch auf einem ARM-Mac anstandslos laufen können 🙂

Zudem verbruzelt ARM weniger Energie als INTeLs Bratpfannen (schon AMD hatte es geschafft bessere Prozessoren mit weniger Energiehunger und Wärme zu produzieren) und damit werden kleinere/dünnere Maschinen noch mehr in den Fokus rücken….

Da ich auf Windows-Programme seit vielen Jahren nicht angewiesen bin, freue ich mich sehr auf das was da kommt und könnte auch dieses Mal wieder testen, aber…. neee.. lass‘ mal die „jungen, wilden“ ran…..

c’t Sonderheft Daten Schützen: Vertrackt – Wie Google das Leben von Milliarden Menschen erfasst

Eine, wie ich finde, sehr schöne Lektüre, damit nicht jemand sagen kann, sie/er habe nichts gewusst. Doch! Wir wissen es! Wir benutzen es! Und weil es so schön einfach ist, verlinke ich den Artikel mal via Google Books, einfach mal so….

Ach ja, da war noch was: Ich habe der c’t mal geschrieben, ob die das so toll finden, dass 35 von 161 Seiten (22%, nicht ganz, aber fasst 1/4) durchgängig als Probe zu lesen sind!?