Kurzthesen zur Zukunft des Softwaretestens

Im Rahmen des GFFT Symposiums „Zukunft des Softwaretestens“ wurde ich gebeten meine Thesen einmal als „Kurzvortrag“ kund zu tun (5 Min.)…

Mindset statt Tools

Erst wenn auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette verstanden worden ist, dass der Test, die Prüfung zum alltäglichen Geschäft gehört, haben auch wir in der Software „verstanden“. Andere, wie Lebensmittel- und Arzneimittelhersteller wissen um die Schlagkraft des einzelnen Mitarbeiters, darum bilden sie auch extrem gut aus. 

Vorgehen & Methodenkoffer anstatt Werkzeugkoffer

Test-Vorgehen und -Methoden müssen verinnerlicht werden wie das Einschalten des Rechners am Morgen. Es wird nach wie vor zu sehr auf ein Werkzeug geschaut, anstatt die Anforderungen zu ermitteln und dann eine Entscheidung zu treffen. Sicherheitstests sind beispielsweise nicht „On-Top“, sondern Basisbestandteil täglichen Arbeitens. Förderung des Wissens um die neuen Methoden der Sicherheitstests – von Anfang/Anforderung an.

Standards anstatt Abschottung

Schaut man auf die Industrien, wo die Standardisierung der Zubehörteile und tlw. auch der Software weit fortgeschritten ist, ändert sich natürlich die Testtiefe. Die Basis (Standards) werden durch alle gleichermaßen sichergestellt, während die Geschäftsprozesse meistens individuell sind und einer tieferen Betrachtung unterzogen werden. Geschäftsgetriebene Test(Automatisierung) wird so gefördert.

GUI Testautomatisierung –50% Erstellungsaufwände sparen, wenn man Anforderungen analysiert

…war ein Vortrag auf der 43. TAV / SEUH 2019, 21.+22. Februar 2019, in Bremerhaven. Die Präsentation war schon länger auf meiner Seite online. Der Artikel ist nun in den Softwaretechnik-Trends der GI im Band 40, Heft 3 erschienen, aber dort noch nicht online.

Nettes Feedback aus dem Süden gab es auch schon – freut mich, wenn solche Themen auf Interesse stoßen!

MacUpdater 2.0

Da macupdate.com (aka MacUpdateDesktop) unter BigSur nicht mehr lief, in den letzten Jahren immer schlimmer wurde (Performanz, Zuverlässigkeit, viele Ein- und Ausloggvorgänge) und nun auch noch von den Besitzern von MacKeeper (die größte Schrottsoftware nach CleanMyMac) gekauft wurde, habe ich es ersatzlos gestrichen.

Also war ich auf der Suche nach was zuverlässigem, schlankem…. un d stieß auf MacUpdater von corecode.io.

Ich habe denen Feedback gegeben, da ich die Software unter BigSur betreiben, aber nicht kaufen konnte. Prompt durfte ich die Beta mit testen und da die deutsche Sprachdatei recht lange kein Update bekommen hat, habe ich angeboten das mal gerne etwas zu verbessern…. und schon stehe ich in den Release Notes. 🙂

Die Software ist wirklich schlank, schnell und mein Betatest von vier Wochen, samt Übersetzungsaktion hat nichts negatives gezeigt. Sie hat von Anfang an, also auch die alte Version, viel mehr erkannt und auch Unterschiede zwischen den Sprachversionen oder der Herkunft (AppleStore, Homebrew, …) gemacht. Man bügelt sich also nicht eine de_DE- mit einer en_US-Version platt, was MacUpdate Desktop nach Jahren noch macht 🙁 Das Schöne bei MacUpdater: Man zahlt einen Betrag und gut ist. Keine Abofalle, kein ständiges ein- und auslogg-generve!

Quelle: CoreCode Limited

https://www.corecode.io/macupdater/index.html

  • MacUpdater kann automatisch die neuesten Updates aller auf dem Mac installierten Anwendungen verfolgen.
  • Mit einem einfachen Klick kann man jede veraltete App aktualisieren.
  • Keine Zeit damit verschwenden, manuell nach Updates zu suchen, herunterzuladen, zu installieren und zu bereinigen.

Transzendente Qualität trifft transzendente Agilität

Prof. Dr. Jochen Ludewig hielt auf der TAV (Fachgruppe Test, Analyse und Verifikation von Software) Fachtagung im Jahre 2016 in Bremen mal einen Vortrag über Software-Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel.

Ich fand es sehr spannend in kurzen Ausflügen zu erfahren, dass eben die modelierte Qualität die unnatürlichere, aber eben die meßbare, kontrollierbare ist und die transzendente Qualität, nicht meßbar, aber dafür die ist, die uns begeistert. Er nahm das Beispiel der Schwarzwälderkirschtorte, die man nicht vermessen würde, sondern eben sagt, dass sie eben (oder eben nicht) ausgezeichnet war.

Wenn wir nun immer nur die meßbare Qualität nehmen, was verlieren wir dann?

Wir verlieren die unmittelbare Verbindung zur erlebten Qualität, damit auch den Blick auf denjenigen, der die Qualität erlebt (das Objektive verdrängt das – wichtigere – Subjektive.)

„Software Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel“ (2016)

Die Qualitätsprüfung, die wir benutzen, kann aber nur so gut sein, wie das unterliegende Modell und wird immer von dem natürlichen, was wir empfinden, (mehr oder weniger stark) abweichen.

Im agile Kontext wird die Meßbarkeit auch gerne vorne hin gestellt, also das Modell… Wie auch bei der Qualität…

Mit anderen Worten: Die modellierte Qualität bedarf stets der Kontrolle und Bestätigung durch die transzendente Qualität.

„Software Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel“ (2016)

Im agilen Kontext sehe ich dieselbe Herausforderung: Man muß sich im agilen Vorwärstkommen anhand von Kenngrößen auch bedenken, dass die Beteiligten „begeistert“ sein sollten, damit sie den Wandel mit tragen. Da spielen aber Kenngrößen keine Rolle, sondern das Empfinden und die Emotionen. Innerlich bewerten wir eben das Gefühl, ob man sich in der neuen Rolle und der gestellten Herausforderung wohlwollend gegenübersteht. Messen kann man das nicht, sondern die Schwarzwälder Kirschtorte muss schmecken, auch wenn es manchmal diverser Anläufe braucht.

„Agile Softwareentwicklung ist ein Vorgang, bei dem Projekte in Iterationen unterteilt werden. Das Ergebnis einer jeden Iteration wird beurteilt und dazu genutzt, den Zeitplan neu zu bewerten, Features werden nach ihrem Geschäftswert implementiert, damit die wichtigsten Dinge zuerst umgesetzt werden. Die Qualität sollte so hoch wie möglich sein. Der Zeitplan wird vornehmlich dadurch gemanaged, dass sich der Umfang des Projekts ändert.
Das ist agile Software Entwicklung.“

„Clean Agile, Die Essenz der agilen Softwareentwicklung“, Robert C. Martin „Uncle Bob“, 1. Auflage, 2020 S. 47

Der „Geschäftswert“ ist nicht immer in Geld auszudrücken, wenn es bspw. darum geht Kunden zu Fans zu machen1, denn dort kommt man über Emotionen. Natürlich ist das Endergebnis irgendwann meßbar (mehr treue, zahlende Kunden o.ä.), aber man muß manchmal auch „Umwege“ über nicht sofort meßbare Kennzahlen Wege gehen und diese sollten also nicht immer im Vordergrund stehen.

Mehr Ehrlichkeit (= Einsicht), Disziplin und Demut wären gut. Aber Disziplin bedeutet nicht, der Bürokratie zu dienen.

„Software Qualität – Zwischen hohem Ziel und hohler Floskel“ (2016)

Wenn also der reine Fokus auf die meßbare Qualität und meßbare Agilität gelenkt wird, glaube ich, verlieren wir die Verbindung zur erlebten [Lebens-] Qualität. Wir dienen dann der Bürokratie, weil jemand die Kennzahlen haben möchte.

Die Rückbesinnung auf ursprüngliche Formen (Qualität und Agilität) sollten wir am Softwareentwicklungsprozess beteiligten Menschen ab- und an mal mitgeben (Retrospektiven), denn das Produkt sollte nicht gut vermessen sein, sondern den Kunden und die am Erstellungsvorgang beteiligten Menschen begeistern…


1 Empfehlung: "Das Fan-Prinzip", Roman Becker, Gregor Daschmann, 2. Auflage, 2016